OSTERBOTSCHAFT S. EM. ERZBISCHOF GABRIEL VON KOMANA EXARCH DES ÖKUMENISCHEN PATRIARCHEN

Liebe Väter,
Liebe Brüder und Schwestern,

Christus ist auferstanden!

Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. (Joh 15,13)
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3,16)

Ich beginne mit diesen Sätzen, die Christus zu Seinen Jüngern sagte und die der Heilige Johannes uns überliefert, weil sie zwei Worte enthalten die mit der Auferstehung des Herrn in engem Zusammenhang stehen: Liebe und Leben! Wenn wir uns heute, in unseren Familien, unseren Gemeinden und unseren Klöstern freuen, so ist das aufgrund der großen Liebe Christi für jeden einzelnen von uns und des Zugangs zum ewigen Leben, welcher uns angeboten wird.

Wir alle brauchen Liebe und unsere Berufung ist das Leben! Es ist eine alte Weisheit welche von allen Menschen der Erde geteilt wird: das Leben ohne Liebe hat keinen Sinn.

Wir, die wir Christen sind, müssen Zeugen der Liebe sein. Selbstverständlich können wir über dieses Thema sprechen, aber noch häufiger müssen wir es leben: das ist die überzeugendste Art und Weise wie wir die Liebe zum Ausdruck bringen können. Das ist, was der Herr getan hat: Er hat uns so geliebt, dass er sein Leben für uns gegeben hat. Sein Tod und seine Auferstehung sind die beiden Bestandteile desselben Siegels mit welchem er unsere Herzen für immer geprägt hat!

Ja, Ostern ist ein sehr schönes und großes Fest, denn es bedeutet eine Durchquerung, ein hindurchschreiten; das ist der Sinn des hebräischen Wortes Pessach. Es ist ein frohes Fest dass wir feiern, da Christus siegreich den Tod durchquert hat und diese Durchquerung ist endgültig! Wir müssen aber beachten, dass, auch wenn das Fest der Auferstehung Jesu ein Ereignis ist, welches in der Geschichte festgeschrieben steht, es doch nicht statisch oder in der Zeit fixiert ist. Seit diesem Tag kommt der Herr in unser Leben und bietet uns seine Liebe an, auf der Erde und im ewigen Leben. In jedem Moment unseres Alltags streckt der Retter uns seine Hand entgegen und sagt: „Wenn du willst, ich biete dir meine Liebe an!“ Aber was bedeutet das konkret?

Wenn wir unsere Leben betrachten, die Leben aller Menschen der Erde, sind wir von Trauer versucht und wir könnten sagen, wie es im Buch des Prediger steht: „Alles ist Eitelkeit und Haschen nach Wind!" So viel Unglück, so viele Lieben die zerbrechen! Schwere Krankheiten, unerwartete Unfällen, Alter und alle Arten des Niedergangs geben Anlass zur Traurigkeit. Viele junge Menschen zweifeln an ihrer Zukunft, sind überflutet von Angst und suchen manchmal Ersatz ohne Zukunft.

Angesichts dieser Ängste müssen wir uns daran erinnern, dass vor Ostern der Karfreitag liegt. Erinnern wir uns an Getsemani: „Meine Seele ist traurig bis zum Tode“ und an die Kreuzigung: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ So verstehen wir, dass die Auferstehung nicht ein einfaches und gemütliches Familienfest ist, welches man am nächsten Morgen schon wieder vergessen hat, sondern eine übersprudelnde Hymne an das Leben und die Liebe! Christus hat das Leiden und die Erniedrigung ertragen, den Ausschluss, die Zurückweisung, die schreckliche Einsamkeit, den Abfall seiner Apostel und den Tod am Kreuz, damit wir, durch das Mysterium der Auferstehung welche gefolgt ist, nicht mehr Angst haben.

Später wird Thomas durch den Retter aufgefordert, seine Hand in die Wunde der Lanze zu legen. Diese Geste wird von uns alle ausgeführt: Indem er die Seite Christi berührt, erhält der Apostel als Geschenk die unendliche Liebe Gottes und Zugang zum Leben! So verwandeln sich unsere Zweifel, welche durch unsere Ängste und Verunsicherungen hervorgerufen werden, in große Hoffnung und einen Akt des Glaubens: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28). Ja, so wie zu Thomas sagt der Herr zu einem Jeden: „Selig die, die nicht sehen und glauben!“ (Joh 20,29).

Die Auferstehung des Retters zeigt uns das wahre Motiv, welches sich hinter dem Mysterium des Kreuzes verbirgt: die unendliche Liebe des Herrn Jesu für uns, für alle Menschen der Erde!

Liebe Väter, Brüder und Schwestern,

An diesem großen und strahlenden Fest umarme ich euch alle mit viel Liebe und Freude! Wir sind nun mit Christus auferstanden, wir haben das wahre Licht gesehen und das göttliche Leben fließt nun in unseren Adern!

Christus ist auferstanden!
Er ist wahrhaftig auferstanden!

Paris, 2./15. April 2011
Kathedrale des Hl Alexander Nevsky, Paris

+ Erzbischof Gabriel von Komana
Exarch des Ökumenischen Patriarchen

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