Pfingstbotschaft 2018 Seiner Eminenz des Erzbischofs Johannes von Chariopolis, Exarchen des Ökumenischen Patriarchen

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An den Klerus, die Mönche, Monialen und Gläubigen des Exarchat-Erzbistums der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa.

In Christus geliebte Väter, Brüder und Schwestern,

nachdem wir voller Freude die Auferstehung des Herrn der Welt feiern konnten, sind wir nunmehr wie die Apostel hineingestellt in eine Zeit der Erwartung und der Vermittlung. Denn Christus muss zum Vater aufsteigen, der uns dann den Seinen Geist senden wird. Wir erwarten somit, dass sich an der Gemeinschaft der Gläubigen die Verheißung erfüllen möge, die an den Propheten Joel erging : « Und danach werde ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter werden prophetisch reden, und eure Ältesten werden Träume träumen und eure Jünglinge werden Gesichte sehen. Auch über meine Knechte und meine Mägde werde ich in jenen Tagen ausgießen von meinem Geist. » (Joel 2,28-29 LXX [3,1-2]). Dieser auf die apostolische Gemeinde ausgegossene Geist lebt heute in jeder christlichen eucharistischen Gemeinde. Dieser Geist steigt herab auf uns bei jedem Gebet, bei jeder Epiklese - es ist ein immer wieder neu beginnendes Pfingsten für das Leben der Gemeinde. In jeder Eucharistiefeier ernähren wir uns denn auch wirklich vom Leib und Blut Christi und werden gleichzeitig erfüllt vom Geist, wie an jenem Pfingsttag, an dem verschreckte und furchtsame Menschen beim Gedächtnis des Herrn mit dem Heiligen Geist erfüllt und gestärkt wurden, um eine neue Welt aufzubauen. Diese neue Welt ist die Kirche als Verkünderin der Frohen Botschaft vom Reich Gottes. Diese neue Welt ist für jeden Menschen da. Diese neue Welt steht für die Gerechtigkeit, den Frieden und die Einheit unter den Menschen, damit sie eins seien, um den Vater aller zu bekennen.

Wir sind eingeladen, uns in unserem Inneren gänzlich zu erneuern : « Und ich werde euch ein neues Herz geben, und neuen Geist werde ich euch eingeben, und ich werde das Herz aus Stein aus eurem Fleisch nehmen und euch ein Herz aus Fleisch geben. Und meinen Geist werde ich euch eingeben... » spricht der Herr zu Ezechiel (36,26-27). Das ist der neue Weg, der uns bereitet ist, der einzige, der sowohl die Christen, als auch jene, die nicht glauben, zur Umkehr führt. Das Herz verwandeln, ein Herz aus Fleisch und Blut empfangen, ein Herz, das lebt, das Ängste durchlebt im Leid und vor Freude jubelt, ein Herz, das Anteilnahme zeigt und sich hingibt, ein Herz, das für den Bruder schlägt und aufstöhnt unter der Last des Hasses. Das ist das wahre Herz, das vom Gottesgeist erschaffen ist. Solange ein jeder von uns und wir alle in unserer Familie und unserer Gemeinde ein solches Herz nicht empfangen haben, leben wir noch unter der alten Knechtschaft, der des Herzens aus Stein, eines Herzens, das den Gottesgeist nicht erkannt hat.

Alle zusammen sollen wir reif werden, wachsen, den gekreuzigten und auferstandenen Christus erfahren, um die Gaben des Heiligen Geistes leben zu können und vor allem, um sie teilen zu können, denn sie gehören nicht uns, sondern sind uns gegeben zur Auferbauung der Gemeinde. Diesen gemeinschaftlichen Aspekt des christlichen Lebens kann man nicht genug hervorheben. Denn wir werden vom Heiligen Geist nicht als Individuum angesprochen, sondern als Person, die einem Leib eingegliedert ist - dem Leib Christi, der Kirche der Getauften. Als die Apostel den Heiligen Geist empfingen, « waren sie alle beisammen » und nicht verstreut. Sie waren versammelt zum Gebet und bildeten die erste christliche Gemeinde, die sich zur Feier der Eucharistie zusammengefunden hatte, um Gott Dank zu sagen für den Tod und die Auferstehung seines Sohnes. Sie alle zusammen, geeint im Glauben und im Gebet, empfangen den Heiligen Geist. So rufen auch wir im 21. Jahrhundert, gleich der Urgemeinde nicht verstreut, sondern zusammen und geeint im Gebet und im Glauben, den Heiligen Geist an. Und der Geist steigt auf uns herab in jeder Liturgie, damit wir gestärkt und fähig werden, der Welt die Botschaft Jesu weiterzugeben wie die Apostel, die die Frohe Botschaft des Heils bis zu den Enden des Universums gebracht haben.

Das Pfingstfest soll in uns diesen missionarischen Auftrag neu entfachen, diese Sorge um die Strahlkraft des Christentums, die wir manchmal vergessen möchten, um uns in uns selbst zurück zu ziehen und um uns mit dem, was wir als gesichert glauben, zufrieden zu geben. Wir nehmen dann um uns herum jene Wirklichkeit nicht mehr wahr, die ihren Hunger und Durst nach Gott herausschreit, ohne zu wissen, wie sie sich ausdrücken lassen. Dann ist der Augenblick gekommen, dass das Herz aus Fleisch, vom Heiligen Geist mit Leben erfüllt, handeln und sein Blut dem Herzen aus Stein eingeben muss.

Das Pfingstfest ruft uns also zu einer echten Umkehr. Es ruft uns dazu auf, dass unser ganzes Wesen eine neue Wegrichtung einschlägt hin zu einem Leben nach dem Evangelium und um Zeugnis abzulegen für das Evangelium. Bitten wir gemeinsam darum, dass der Gottesgeist uns erleuchte und uns die Gnade gewähre, Zeugen des Wortes zu sein.

† Erzbischof JOHANNES von Chariopolis, Patriarchalexarch der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa

Paris, am 27. Mai 2018

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