Weihnachtsbotschaft S. Eminenz Erzbischof Gabriel von Komana

Weihnachtsbotschaft S. Eminenz Erzbischof Gabriel von Komana

Christus wird geboren, verherrlicht Ihn.
Christus kommt vom Himmel, zieht Ihm entgegen.

In dieser langen Nacht, die wir „Weihnacht“ nennen, in dieser Nacht, die uns bevorsteht, erfüllt und offenbart sich das ganze Mysterium der göttlichen Liebe. Es zeigt sich uns ein neues Gesicht Gottes, das der Milde und der Barmherzigkeit, das des Mitleids des himmlischen Vaters, der seinen eingeborenen Sohn auf unsere ferne Erde sendet, um das verirrte und verwundete Schaf wiederzufinden und in den himmlischen Schoß, d. h. in das Reich des ewigen Lichtes und der Liebe, heimzuholen.

Unfaßbares Mysterium, an das niemand glauben konnte und das sich keine Philosophie und keine Religion vorstellen oder vorhersehen konnte! So skandalös und verrückt erscheint der menschlichen Vernunft diese Erniedrigung des allmächtigen Gottes. Es ist wahr: Der allmächtige und unzugängliche Gott, der, „der sich in Licht hüllt wie in ein Gewand“, dieser Gott ist Mensch geworden, hat die unermeßlichen Himmel, deren Schöpfer er ist, durchschritten, hat alle Phasen des menschlichen Lebens durchlebt, beginnend mit dem Anfang des Lebens als kleines Kind, die Zeit des Heranwachsens bis zum Mannesalter - im Gehorsam gegen den Vater im Himmel und schließlich im menschlichen Gehorsam gegenüber seiner Mutter und gegenüber Josef. Dieser grenzenlose Sohnesgehorsam hat Jesus bis zum Kreuz und zu einem schmachvollen Tod geführt.

Aber wir wissen: Dieser Tod kann ihn nicht aufhalten, denn die Liebe ist stärker als der Tod. Jesu irdischer Weg wird gewiß ein Weg der Opferliebe sein, der in der Verheißung des Heiligen Geistes im Pfingstgeschehen der Kirche das Mitleid des Vaters bezeugt.

Seitdem ist mit der jungfräulichen Geburt des ewigen Sohnes im Dunkel unserer Zeitlichkeit die gesamte menschliche Geschichte von innen her erleuchtet und orientiert, ist der Same der Unsterblichkeit in das Erdreich unserer Herzen, unseres Lebens gesenkt. Wenn Gott Mensch geworden ist, dann - so mahnt uns die ganze Kirche durch den Mund des hl. Athanasius d. Gr. von Alexandrien - zu dem Ziel, daß der Mensch Gott werde. Das ist der Inhalt unseres Lebens, des Lebens eines jeden von uns: sich zu reinigen, sich zu heiligen, das in der tiefsten Tiefe unserer Herzen getrübte und verhüllte Bild Gottes wiederherzustellen, hell zu werden, um auch unsererseits Söhne und Töchter nach dem Gleichnis des eingeborenen Sohnes zu werden, Kinder, die Gott liebt - einen jeden von uns mit einer einzigartigen und unendlichen Liebe.

Meine Freunde, meine Brüder und Schwestern, meine Kinder im Herrn:

Möge Gottes Geist unsere Herzen weit und im Feuer der göttlichen Liebe erglühen machen, auf daß die Geburt unseres Herrn zu Bethlehem uns vergegenwärtige, daß wir selbst durch die Geburt unserer Taufe zu einem Leben aus Gott und mit Gott und auf Gott hin begabt sind.

Amen.

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