Osterbotschaft seiner Eminenz, des Erzbischofs Gabriel von Komana - 2007

Geliebte Brüder im Bischofsamt,
liebe Väter und Brüder im Priesteramt,
liebe Brüder und Schwestern in Christus,

„Wenn Christus nicht auferstanden ist, so ist unser Glaube nichtig“ (1 Kor 15,17), schreibt der heilige Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther. Der Apostel ist darüber betrübt, dass einige Glieder dieser sich erst bildenden Gemeinde, die er in sein Herz geschlossen hat, die Grundlage der großen christlichen Hoffnung, die Auferstehung des Herrn, in Frage stellen. Die Auferstehung Christi ist der Eckstein, auf dem die gesamte paulinische Verkündigung, auf dem der ganze Glaube der Kirche beruht.

Viele Menschen stoßen sich an dieser Realität der Auferstehung. Gleichwohl muß man anerkennen, daß die große Mehrheit der Menschen davon ausgeht, daß es auch nach dem Tod irgendetwas gibt, vielleicht sogar ein anderes Leben. Alle Religionen haben davon eine ganz bestimmte Vorstellung; sogar viele Agnostiker postulieren ein Jenseits. Es ist nahezu undenkbar, daß das ganze Leben der Menschheit im Nichts versinken könnte. Kann man mit einem so erniedrigenden Gedanken überhaupt leben?

Wir weisen darauf hin, dass Paulus uns nicht dazu auffordert, die Auferstehung für eine Selbstverständlichkeit zu halten. Er sagt vielmehr: „Wenn Christus nicht auferstanden ist ...“. Das Schwergewicht liegt auf der Person Christi selbst. Die Auferstehung ist keine abstrakte Idee, eine eher unpräzise Annahme, ein erfreulicher Gedanke. Sie ist in erster Linie eine Tatsache, ein Ereignis des Heils, das Gott uns durch die Fleischwerdung seines Sohnes bereitet hat. Gottes Sohn ist in den Hades hinabgestiegen und nach drei Tagen auferstanden.

Christus, der Auferstandene, offenbart sich den Zeugen seiner Auferstehung auf je besondere Weise; er ruft den Frauen, die zum Grab gekommen waren, zu: „Freuet Euch!“ (Mt 28,9) Zu Maria Magdalena sagt er: „Rühre mich nicht an!“ Doch zu Thomas: „Lege Deine Hand in meine Wundmale!“ Petrus fragt er dreimal: „Liebst Du mich?“ Und Paulus erscheint er auf dem Weg nach Damaskus in blendendem Licht.

Wir sollten uns auch selbst fragen, wie der auferstandene Christus sich im Leben eines jeden von uns manifestiert, wie er uns „vom Tod zum Leben, von der Erde zum Himmel“ emporführt, uns, die wir „das Siegeslied singen“. Wenn wir in der Göttlichen Liturgie den Leib und das Blut Christi empfangen, so empfangen wir Anteil an Christi Auferstehung, am Sieg Christi über den Tod. Denn Christus gibt sich uns zur Speise und teilt uns auf diese Weise diejenige Kraft mit, in der er die Riegel zerschlagen hat, die uns im Schatten des Todes gefangengehalten hatten. Gewiß werden wir nicht die Erfahrung jener Blendung machen, die der hl. Paulus auf seinem Weg nach Damaskus gemacht hat. Unser Weg nach Damaskus wird sich vielmehr über die ganze Dauer unseres irdischen Wandels erstrecken. Aber an seinem Ende wird dasselbe Licht leuchten, wird jene Freude sich Bahn brechen, die kein Ende kennt. Denn Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!

Paris am 8. April 2007-03-19
Kathedrale des hl. Alexander von der Newa
Erzbischof Gabriel von Komana

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