Weihnachtsbotschaft Seiner Eminenz, des Erzbischofs Gabriel von Komana

Weihnachtsbotschaft Seiner Eminenz, des Erzbischofs Gabriel von Komana

Weihnachten! Heute verkünden uns die Engel die frohe Botschaft : „Ehre sei Gott in den Höhen, auf Erden Friede, unter den Menschen sein Wohlgefallen!“ Wir alle sind eingeladen, diese Nachricht in Freude zu empfangen. Gott zeigt sich im Mysterium seiner Menschwerdung, um uns zu sagen, dass wir gerettet sind! Der Herr, Jesus nimmt Fleisch an, um uns zu zeigen, wie sehr wir von Gott geliebt werden, ganz gleich in welcher Situation wir uns beim Empfang dieser Botschaft befinden. Die ganze Menschheit empfängt das Zeichen, das uns zu unserem Heil geschenkt wird! Aber was ist dieses Zeichen? Ein Kind, liegend in einer Krippe! Was gibt es schöneres als ein Kind! Was gibt es verletzlicheres! Jesus hat Hunger, Er friert, seine Augen sind noch nicht an das Licht gewöhnt; Er, der das Licht ist! Seine Geburt ist gekennzeichnet durch Armut, Unsicherheit, Schwäche. So will Gott uns zeigen, dass Er uns liebt: Er begibt sich zu uns herab, indem Er unsere menschlichen Eigenschaften annimmt, und wir wissen, wohin Ihn das führen wird. Wie alle Babys dieser Welt streckt Er uns die Hände entgegen und Er wird sie später am Kreuz weit ausbreiten, um sie um alle Menschen dieser Welt zu legen und sie entgültig vom Tod erretten!

Liebe Brüder und Schwestern, wir, die wir Christen sein wollen, wir müssen darauf achten, auf welche Weise uns der Herr seine Liebe zeigt. Wir sind eingeladen, Liebe zu empfangen und Liebe zu geben. So wie Gott selbst müssen wir dabei demütig bleiben. Um demütig zu bleiben, wollen wir von der Demut Gottes schöpfen, dieses unerschöpflichen Schatzes, der uns zur Verfügung steht.

Haben wir keine Angst, Gott zu sagen, dass wir Ihn lieben! Wir fühlen uns arm; sündig, hilflos; umso wichtiger! Nähern wir uns dem Herrn, so wie wir sind. Versuchen wir echt zu sein, denn so erlernt man Demut. Egal ob Priester, Laie, Diakon, Bischof, feiern wir in Demut zu aller Zeit mit unserem Herrn und loben wir den, der Liebe ist. Haben wir keine Angst wegen unserer Armut, wie groß Sie auch sei: „Ein Armer schrie zum Herrn und der Herr hat ihn erhört ...“. Wie kleine Kinder wollen wir unsere Freude und unsere Liebe zum Herrn schreien, durch den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Manchmal sind die orthodoxen Christen betroffen, weil sie voller Sorge beobachten, wie wenige sie in ihren jeweiligen Ländern sind: akzeptieren wir diese sichtbare Beschränkung, so wie Christus akzeptiert hat, sich unsere menschliche Schwäche anzueignen. Stürzen wir nicht in den Abgrund des Stolzes, indem wir glauben, dass eine Kirche die Beste ist, weil ihr eine große Anzahl Gläubiger angehören. Der Herr hat uns niemals aufgetragen, zahlreich zu sein, sondern in Demut Gott und unseren Nächsten zu lieben. Dem Beispiel des Retters der Welt folgend, der in einer Höhle geboren und in eine Krippe gelegt wurde, üben wir uns darin, in Demut zu lieben. Dadurch werden wir in den Genuss der Gnade der Kenosis Jesu kommen, die sich heute im Mysterium seiner Menschwerdung zeigt.

Ich möchte euch auch dieses sagen: Lasst uns keine Angst haben, zu versuchen, unsere Brüder und Schwestern, die uns umgeben, zu lieben. Erlernen wir die Liebe. Wir wissen nicht, wie man liebt, also lernen wir es! Wir sind Schüler der Liebe auf dieser Erde. Lernen ist niemals einfach; wir wollen dennoch in Demut lernen und Hilfe bei unserem Herrn suchen. Gott hatte Mitleid mit Adam. So zeigt sich seine Liebe: Er will Adam befreien von der Finsternis des Todes. Um das zu erreichen, fühlt Gott mit uns, indem Er sich demütigt. Er kommt nicht als Eroberer auf diese Erde! Er erniedrigt sich soweit, dass Er ein kleines Kind wird, zwischen Kleinen, Armen, Sündern. Loben wir Ihn für dieses Mysterium der Erniedrigung. Mit Hilfe der Gnade Gottes, wollen wir unseren Nächsten lieben, indem wir uns in ihn hineinfühlen. Das bedeutet, das jeder einzelne, entsprechend seiner Kraft, die Leiden und die Angst dieser Welt auf sich nehmen muss, um sie unserem Herrn Jesus zu Füssen zu legen. Ich wage euch zu sagen: Christus wird diese Gabe entgegennehmen, wie das Gold des Königs aus dem Morgenland: Barmherzigkeit und Mitleid sind in den Augen Gottes mehr Wert als Berge von Gold.

Denkt immer daran, liebe Brüder, eine Kirche die in Mitleid für die ganze Welt arbeitet, ist eine lebendige Kirche, die sich in aller Demut der Freude der Auferstehung nähert! Sie führt das Werk Gottes weiter, der, voller Mitleid für seine Schöpfung, in Demut Mensch wird: Er wird in einer Höhle geboren und stirbt am Kreuz! Seien wir wachsam, dass man niemals von uns sagt: „Sie haben kein Mitleid...“.

Zu diesem schönen Fest wünsche ich euch allen, die Freude und den Frieden des Weihnachtsfestes zu kosten. Wollen wir uns gemeinsam freuen und fröhlich sein, indem wir aus dem großen Vorrat der Demut und des Erbarmens Christi schöpfen. Ich versichere euch meine Liebe.

Weihnachten 2007

+ Erzbischof Gabriel von Komana
Exarch des Ökumenischen Patriarchates

Retour haut de page
SPIP